Glocke
Die Sturm- und Feuerglocke wurde renoviert und am 30.08.2006 wieder aufgestellt


Eines der Wahrzeichen Borntostens, die alte Sturm und Feuerglocke wurde ursprünglich 1786, errichtet. In Notfällen und Gefahren wurde sie geläutet. Ebenso wurde sie geläutet bei Sterbefällen, Hochzeiten, an hohen kirchlichen Festtagen, sowie das tägliche "Engel des Herrn" läuten.

Im laufe der Jahrhunderte wurde die Glocke mehrmals renoviert. Letztmalig im Jahre 1984. Zwischenzeitlich wurde die Glocke in 2001 unter Denkmalschutz gestellt.

Im Sinne des Denkmalschutzes wurde der Glockenturm nun erneut restauriert. Dazu wurde die Glocke im Dezember 2005 komplett abgebaut und in alle Einzelteile zerlegt. Geeignetes, über 300 Jahre altes Eichenholz, fand hierbei Verwendung. Alle Balken wurden im Sinne des Denkmalschutzes behandelt und mit einem Leinölstrich versehen.

Am 31. August 2006 war es dann so weit. Nach erfolgreichem Zusammenbau des Glockenturmes, erklang abends erstmalig wieder das gewohnte Geläut.




Dorfglockestuhl im Gegenlicht
Glockenstuhl vor der Renovierung

Gedenktafel links von der Glocke am Felsen
Gedenktafel von Franz Sommer
angefertigt 2005 vom Franz Sommer (t)



Vorderansicht vor der Renovierung




In einem Radio-Interview im WDR mit Wilhelm Frese und Lorenz Geschwinder Anfang der 80er wird die Geschichte der Dorf-Glocke erzählt.


(Original Interview mit einem Reporter, Willhelm Frese und Lorenz Geschwinder:)

Reporter: Das Geläute gehört zu einer Glocke die schon seit 200 Jahren wichtige Ereignisse im Leben eines kleinen Dorfes bei Marsberg im Hochsauerland Kreis (Anmerkung: Die Glocke läutet im Hintergrund). Sie hat zu Hochzeiten geläutet und beim Tode das Alter des Verstorbenen gekleppt. Also einzeln geschlagen. Sie hat bei Feuer und Sturm die Dorfgemeinschaft zusammen gerufen. Sie hat den Bauern auf dem Felde den Feierabend hinaus getönt, hat in kriegerischen Zeiten ihren hellen Ton erklingen lassen als Zeichen für erhöhte Wachsamkeit bei der Bürger- und Bauernwehr. Nach 200 Jahren ist der Glockenstuhl nun morsch geworden. Aber die Bewohner von Borntosten, so heißt das kleine Dorf, wollten auf das Geläut, das auch heute noch die Tageszeiten meldet, nicht verzichten. Deshalb gingen Detlef Kleemann und seine Freund vom Sparclub aus der Dorfkneipe schnell zur Sache, besorgten sich bei der Stadt Marsberg einen Zuschuss und nahmen die Restaurierung selbst in die Hand. Und nun klingt sie wieder die Glocke von Borntosten. Dem Dorf mit dem für das Sauerland auch etwas eigenwilligen Namen. Aber das lassen Sie sich einmal von Wilhelm Frese einem der Älteren im Dorf erklären.

Wilhelm Frese: Ostheim, das Vorgängerdorf des heutigen Borntosten, und der Nachbarort Esbeck sind in den vielen kriegerischen Auseinandersetzungen, die sich im 14. bis 16. Jahrhundert ringsherum zugetragen haben wüst (zerstört) geworden. Die damaligen Einwohner von Esbeck sind verzogen, einmal nach Giershagen, Adorf und der Rest hat eine neue Siedlung im Born im Osten, also Quelle im Osten, neu aufgebaut.

Reporter: Ja, in Borntosten - im stillen kleinen Fachwerkdorf fanden natürlich auch Feuer und Sturm früher schnelle Nahrung in den hölzernen Bauten. Das weiß auch Lorenz Geschwinder, heute 67 Jahre alt noch ganz genau. (Anmerkung: Es war Wilhelm Frese)

Wilhelm Frese: Ja, ich bin nun fast 30 Jahre Brandmeister hier im Ort gewesen. Und diese Glocke war für uns die Alarmglocke bei Feuersbrünsten oder bei Sturm. Deswegen nannte man sie auf der einen Seite auch Brandglocke oder Sturmglocke.

Reporter: Wie war es denn beim Sturm?

Wilhelm Frese: Ja, beim Sturm. Früher waren hier noch Stroh gedeckte Häuser und bei starkem Sturm - wir liegen hier auf einer Hochfläche - da wurden Löcher in die Dächer gerissen und es musste alles helfen war zur Verfügung stand.

Reporter: Aber die Erinnerung reicht bei den Alt-Vorderen noch viel weiter, bis in ihre Kleinkinderzeit zurück. Denn das Leben begann ja quasi mit der Glocke. Wilhelm Frese weiß da noch so manche Begebenheit. (Anmerkung: Jetzt war Lorenz Geschwinder gemeint)

Lorenz Geschwinder: Wir sind alle von Kind auf mit der Glocke verbunden gewesen. Aus dem einfachen Grunde, weil wir als erstes als Kinder schon an der Glocke geläutet haben mal ´neeh´. Und hier unser Nachbarin ´neeh´ uns ausgeschimpft hat ´neeh´, wenn wir mal an dem Strick bzw. an der Kette gezogen haben ´neeh´. Meine Urgroßmutter hatte eine Vertretung hier im Dorf gemacht ´neeh´ und dabei hatte sie das Pech, dass ihr der Klöppel aus der Glocke an den Kopf schlug ´neeh´ und mein Großvater sie nach Marsberg zum Krankenhaus musste ´neeh´, dass sie genäht wurde.

Reporter: 200 Jahre Dorfgeschichte und diese Glocke hat dies alles mitbekommen und unbeschadet überstanden. Das kann man sich heute eigentlich gar nicht mehr so richtig vorstellen. Aber so stabil wie sie aussieht wird sie sicher auch die nächsten 200 Jahre noch überleben. Früher erhielt der amtlich bestellte Glockenläuter 5/4 Morgen Land zur freien Bewirtschaftung. Heute tut das ein Mädchen aus dem Dorf für ein paar Mark im Jahr. Ob die neue, die technisierte Zeit nicht doch eines Tages die alte Dorfglocke übertönt und ob sie dann noch die Aufgaben erfüllen kann die ihr in Schillers Glocke zugedacht waren. ...

Anmerkung:

Seit diesem Interview sind einige Jahre vergangen. Die Kneipe  gibt es nicht mehr, Wilhelm Frese und Lorenz Geschwinder sind verstorben und die Glocke wird nur noch bei besonderen Anlässen geläutet. Aber ansonsten ist es noch genauso beschaulich wie damals.

Autor: Reinold Frese



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